Feldkirch in einer Aufnahme aus dem Jahr 1986. Foto: Rudolf Zündel, Vorarlberger Nachrichten

Bevor in Feldkirch der Bär los war

40 Jahre Werbegemeinschaft der Einkaufsstadt Feldkirch

 

Die Werbegemeinschaft WEF wird in diesem Jahr 40. Obmann Michael Gallaun im Gespräch mit Christian Müller (Müller Optik) und Hannes Jochum (Bergbahnen Brandnertal) über die Zeiten, als man noch in die Schweiz zum Einkaufen fuhr.

 

Wie war das damals vor 40 Jahren, als der Verein gegründet wurde oder anders gefragt: Warum ist die Werbegemeinschaft entstanden?

Christian Müller: Ich gehöre zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern, bin aber sehr rasch von Karl Ziegenfuss (Orientteppiche Ziegenfuss) angeworben worden. In dieser Zeit hatte die Einkaufsstadt Feldkirch schwer zu kämpfen, viele Kunden fuhren zum Einkaufen in die Schweiz. Die Marktgasse stand kurz davor, eine Fußgängerzone zu werden, was mit gemischten Gefühlen betrachtet wurde. Der Gründungsgedanke war: Schließen wir uns zusammen, um gemeinsam etwas zu erreichen. Es waren harte Zeiten für Gastronomie und Handel, und so kam ein Gründungskomitee zustande. Alleine war es kaum möglich, etwas zu bewegen. Eine große Gruppe hatte da schon bessere Chancen. Die Stadt Feldkirch hat das begrüßt. Am 26. Oktober 1978 sind viele Kunden in die Schweiz gefahren. In Vorarlberg durfte man die Geschäfte am Nationalfeiertag nicht öffnen – so entstand in der Not die „Leistungsschau“. Diese wurde beim ersten Mal in der Stadthalle in einem kleinen Saal abgehalten und war so erfolgreich, dass bald das ganze Haus bespielt wurde.

 

Wer hat die Kommunikation, also die Werbung dafür übernommen?

Christian Müller: Die Werbung hat – wie alles andere auch – der Verein selbst übernommen. Das erste Plakat für die Leistungsschau habe ich selbst gemalt, damals war ich noch Student. Später wurde die Werbung vom Grafikbüro Gassner gemacht, Reinhard Gassner war zudem leidenschaftlich bei der Ausarbeitung der Konzepte dabei.

 

In Vorarlberg durfte man die Geschäfte am Nationalfeiertag nicht öffnen – so entstand 1978 die „Leistungsschau“.
Foto: WEF

 

Welche Veranstaltungen wurden von der WEF ins Leben gerufen und wie lief die Organisation ab?

Christian Müller: Es gab damals kaum Veranstaltungen – der Verein hat alle großen Veranstaltungen ins Leben gerufen. Wir wollten Feldkirch „aufwecken“. Wir hatten keine finanziellen Mittel, es gab auch kein Büro. Wenn jemand eine Idee hatte, dann musste er sie selbst umsetzen, von A bis Z. Zum Beispiel haben wir die Veranstaltung „In Feldkirch ist der Bär los“ organisiert. Wir sind mit einem echten Bären, der Kunststücke vorgeführt hat, durch die Innenstadt marschiert. Ja, sowas war damals noch möglich. Es war eine besondere Zeit, man war solidarisch und hat für die Sache gekämpft. In der Not wurden Rechnungen auch mal mit privatem Geld bezahlt – man hat zusammengehalten. Es war eine schwierige Zeit, aber es hat sich gelohnt. Besonders deutlich wurde das, als der WEF nach knapp 10 Jahren vom Bundeskanzler die „Goldene Waage“ (Auszeichnung für besondere Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen, Anm.)‎ überreicht wurde. Der Stolz auf das Erreichte war und ist sehr groß.

 

Lieber Hannes, was kannst du uns aus deiner Zeit beim WEF erzählen?

Hannes Jochum: Ich hatte schon sehr viele unterschiedliche Rollen in der Stadt. Angefangen habe ich als Lehrling beim „Garzon“, ungefähr in der Zeit, in der noch viele Vorarlberger in den Abendverkauf in die Schweiz gefahren sind und dann später, als die Einführung der Fußgängerzone in Feldkirch das große Thema war. Im Februar 1997 wurde ich von der damaligen WEF-Obfrau Eva-Maria Begle als Koordinator der Werbegemeinschaft angestellt. Damals war ich für alles zuständig: von der Pressearbeit über Budgetierung der WEF bis Organisation aller WEF-Veranstaltungen. Meine erste Veranstaltung war der Feldkircher Ostermarkt – es war kalt und verregnet und eher ein Wetter für den Weihnachtsmarkt. Von 2006 bis 2013 war ich Obmann der WEF. Diese Zeit habe ich besonders positiv in Erinnerung. Wir waren sehr erfolgreich und konnten einige großartige Projekte umsetzen. So wurde zum Beispiel aus dem WEF-Gutschein der Feldkirch Gutschein und dieser auf das gesamte Stadtgebiet inkl. Interspar Altenstadt ausgeweitet. Danach war ich für zehn Monate interimistischer Geschäftsführer des Feldkircher Stadtmarketing. In dieser Zeit wurde das gesamte Stadtmarketing evaluiert und auf neue Beine gestellt. Jetzt bin ich wieder im Vorstand: einmal Werbegemeinschaft, immer Werbegemeinschaft (lacht). Es lässt mich einfach nicht los. Die persönlichen Gespräche und die Freundschaften, die in der WEF entstanden sind, liegen mir sehr am Herzen.

 

Die Marktgasse als Fußgängerzone? Der Handel begegnete dieser Idee in den 1970er-Jahren mit gemischten Gefühlen.
Foto: Helmut Klapper, Vorarlberger Landesbibliothek

 

 

Es gibt eine Anekdote über die Integration des Wirtevereins, möchtest du diese noch erzählen?

Hannes Jochum: Der WEF Vorstand wollte die Wirte der Stadt von der WEF überzeugen, also bin ich gemeinsam mit Markus Nagele und Lothar Gallaun von Lokal zu Lokal marschiert. Am Ende konnte keiner mehr richtig „stehen“, aber zehn von zehn Wirten wurden Mitglied des Vereins, ein voller Erfolg. Es war eine coole Zeit, an die ich mich gern erinnere.

 

Titelfoto: Rudolf Zündel, Vorarlberger-Nachrichten, Vorarlberger-Landesbibliothek