KIND.ERBE.REICH – Vom Erben und Erblassen

VOM ERBEN UND ERBLASSEN

Erben ist gerecht. Erben ist ungerecht. Erben ist ein Segen. Erben ist ein Fluch. Erben bedeutet Verantwortung. Erben ist keine Leistung. Erben ist eine Chance. Erben ist Zufall. Erben ist leichter als arbeiten. Erben folgt auf den Tod. Erben ist tödlicher als sterben. Erben dauert fünf Minuten oder Jahre. Erben macht Arbeit. Erben bringt Streit und entzweit Familien. Erben ist der letzte Liebesbeweis. Erben weckt Neid und Gier.

Man erbt Geld, Häuser, Böden, Aktien, Schulden, Krankheit, Armut. Man erbt Schönheit und Arthrose, Schmuck und Geschirr, Humor oder Talent. Man erbt Kultur und Klimawandel, Demokratie und Dekadenz. Man erbt Vor- und Nachteile, Wohlstand und Zerstörung.

Erben und erblassen müssen alle.

 

„Kein Mensch konnte mir bisher vernünftig erklären, warum Menschen, deren Geld arbeitet, weniger Steuern zahlen, als Menschen, die ihre Arbeit selbst erledigen?“

 

Alle Aspekte des Erbens und Vererbens zu berücksichtigen, würde den Rahmen eines Theaterabends sprengen. Das Hauptaugenmerk richtet sich daher auf die Notwendigkeit einer Re-Solidarisierung, damit die Gesellschaft zukunftsfähig und ein Mindestmaß an Chancengleichheit erhalten bleibt. Die unvorstellbar hohen Summen, die derzeit in Industrieländern vererbt werden, machen fassungslos gegenüber einer Ungleichverteilung, die den sozialen Frieden gefährdet.

Die Widersprüchlichkeit im Umgang mit großen Vermächtnissen, die getragen wird von Gier vs. Schuldgefühl, Egoismus vs. Gerechtigkeitsempfinden ist ein Zeichen dafür, dass demokratische Wege gefunden werden müssen, um die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen.

KIND.ERBE.REICH ist der Versuch, diese Widersprüche zu beleuchten. Wir wagen uns an ein Plädoyer für die Erbschaftssteuer, indem wir uns darauf berufen, dass viele Begünstigte einer Verlassenschaft ihr mitnichten entgegen stehen, sondern diese eine moralische Entlastung sein könnte. Der Stiftungsboom der letzten Jahre ist eine logische Folge. Eigeninitiative und Kreativität sind toll, aber sind sie vielleicht auch ein Symptom der Entdemokratisierung?

Eigentum verpflichtet, aber wozu?

„Ich will kein guter Mensch sein, ich will meine Steuern zahlen.“

Berücksichtigt wird insbesondere eine weibliche Sicht auf das Thema Erben. Gesellschaftliche Strukturen und Erwartungshaltungen führen dazu, dass Frauen ‚anders‘ erben als ihre männlichen Familienangehörigen, schließlich ist die finanzielle Selbstbestimmung von Frauen erst eine Errungenschaft des letzten Jahrhunderts. Deutlich mehr Erbinnen stellen sich heute der Verantwortung gegenüber ihrem Vermögen und für viele bleibt die Verbindung von Geld und Moral ein Dauerthema.

„Man muss sein Verhältnis zu dem Geld klären.

Man muss Schuld abbauen statt Schulden.“

Stückentwicklung | Uraufführung

Koproduktion mit Kosmos Theater Wien und Theater Kempten

Mit: Maria Fliri, Marion Freundorfer, Peter Bocek

Text und Regie:                              Barbara Herold

Ausstattung / Video:                    Caro Stark

Choreographie:                              Anne Thaeter

Produktionsleitung:                     Nicole Wehinger

Foto:                                                   Mark Mosman

 

Termine:

Feldkirch, Altes Hallenbad:       24. März.-1. April 2020 (6-7 Vorstellungen)

Anfahrt


Lade Karte ...