Veröffentlicht am: 30. September 2020

Feldkirchs Geheimnisse: Entdecken, was im Trubel des Alltags verborgen bleibt.

Es war eine Freude. Schon allein, dass die Veranstaltung stattfinden durfte. Aufgeteilt in kleine Gruppen und mit gebührendem Abstand – aber dennoch so persönlich und unmittelbar, als wäre man bei einer netten Familie eingeladen. Zum wiederholten Mal ermöglichten „Feldkirchs Geheimnisse“ nicht nur Einblicke ins Gewerbetreiben, sondern auch in die Geschichte dieser einzigartigen Stadt.

 

Noch bei Tageslicht und spätsommerlichen Temperaturen machen sich mehrere kleine Gruppen mit ihren Guides auf den Weg durch die schönsten Gassen der Stadt. Ausgehend vom Montforthaus erfahren sie bislang unbekannte Details des Hauses, vom Fassaden-Material bis hin zu Nutzungsmöglichkeiten. Ist davor schon jemandem aufgefallen, dass es rund um das Haus idyllisch angelegte Plätze und Höfe gibt, alle frei zugänglich? Und wer erinnert sich noch, was für ein Drunter und Drüber einst – vor gar nicht allzu vielen Jahren – am Fuß der Schattenburg die Sicht versperrte? Heute sind sich die Schattenburg und das Montforthaus ein würdevolles Gegenüber. Zwischen ihnen, als geradezu symbolisches Verbindungsglied von der Geschichte zur Moderne, liegt prachtvoll ein Stück der ehemaligen Stadtmauer – ein Stück gelebte und gestaltete Stadtkultur.

 

 

Gewürz-Mekka und textiles Design

Von hier aus sind es nur wenige Gassen bis zum Mekka der Aromen. „7 Spices“ nennt sich der Laden am Mühletorplatz, wobei es hier statt sieben weit über hundert Gewürze und Gewürzmischungen zu entdecken gibt, wöchentlich frisch gemahlen. Wer von der Fülle ihres Angebots in Entscheidungsschwierigkeiten gestürzt wird, fragt sie am besten direkt um Rat. Sie weiß, welches Aroma, welche Wirkung und welche besonderen Akzente ein einzelnes Gewürz verschiedensten Gerichten schenken kann. Tatsächlich gibt es schon heute eine Menge Fragen an Manu und erst in der Dämmerung findet die interessierte Gruppe zu ihrem nächsten Stop. Mit Blick auf die Stella Matutina, Masala-Chips aus dem 7 Spices knuspernd, lauschen die Teilnehmenden literarischen Zitaten und historischen Anekdoten rund um die berühmt-berüchtigte Schule, die einst der Jesuiten-Orden in Feldkirch gegründet hat. Ähnlich spannend ist das, was nur wenig später in der Marktgasse erzählt wird. Hier geht es um kuriose Auflagen des einstigen Wochenmarkts, um das ehemalige Abwassersystem, das in Bächen und Kanälen durch die ganze Stadt verlief, und schließlich um die Entenbachgasse, die fast direkt zum nächsten Laden führt: Wolfff. Caroline Wolff hat sich nach ihrem Studium der räumlichen Gestaltung selbst die Schneiderei beigebracht, die sie nun in individuellen und extravaganten Kleidungsstücken umsetzt.

 

 

Handgefertigte Schuhe, Schmuck und Steine

 In der Neustadt, mit Blick auf die nächtlich beleuchtete Schattenburg, amüsieren sich insbesondere die BewohnerInnen Feldkirchs über die Details, die sie von „ihrer“ Stadt niemals erahnt hätten. Es macht Spaß, neue Blickwinkel auf Altbekanntes zu erhalten. So auch im Laden des Schuhmachers, der im Mauergewölbe unter der Burg arbeitet. Seine Spezialität ist die Fertigung von maßgeschneiderten Schuhen, aber auch die Reparatur von Lieblingsstücken – Louis Vuitton Taschen ebenso wie Pferdehalfter und Kletterschuhe. Nachhaltiges Arbeiten ist ihm so wichtig wie der persönliche Kundenkontakt. Für ihre ungezwungen authentische und persönliche Art ist auch die Besitzerin des Café Hecht bekannt. Der gemeinsame Besuch des Cafés ist zwar der anderen Gruppe vorbehalten, ebenso wie die Oase, die Wolle und Kona. Zumindest das Café Hecht kann aber noch heute Abend erlebt werden. Zuvor geht es zum letzten Stop der Runde. Auch hier, im Schmuck & Steine, wird man ganz persönlich beraten. Schmuckstücke werden gerne nach individuellen Wünschen gefertigt, tragbar zu jedem Anlass, aber auch wirkungsvoll in ganz bestimmten Situationen. Wer hier über Steine lernt, lernt zugleich über sich selbst. Und das ist es vielleicht, was auch diese ganze Führung zu einer so besonderen macht. Die Begegnung mit der Stadt, so unverfälscht, als begegne man dem eigenen Leben darin. Es ist eine Freude, hier zu sein.