Veröffentlicht am: 8. Juli 2020

Freundschaft leben wir überall.

 

Gastfreundschaft im Sommer im Reichenfeld.

Gemeinsam mit Eugen Fulterer startet eine ganze Serie an Performances der mobilen Gastfreundschaft. Wo und wann genau die beweglichen Küchenelemente auftauchen, das wird noch nicht verraten. Sicher aber ist: Wer sie entdeckt, der ist augenblicklich eingeladen. Gastfreundschaft wird damit nicht nur zum spontanen Akt, sondern findet auch zurück zu jener Selbstverständlichkeit, die wir uns alle wünschen.

Heute blühen Lavendel, Ringelblumen und Muskatellersalbei direkt auf dem Tisch. Zumindest im Stadtgarten im Reichenfeld. Die Pflanzen dekorieren schlichte, offensichtlich bewegliche Holzmodule, die sich beim Näherkommen nicht als klassisch gastronomische, jedoch hochfunktionale Küchenelemente herausstellen. Zahlreiche Gäste bewundern den Gastgeber dahinter beim Zubereiten von frischem Marktgemüse und Maispolenta. Andere sind ins Gespräch mit Stefan Schartlmüller vertieft, der mit den Gästen den Begriff „Gemüseallmende“ beleben möchte.

„Wir erleben heuer ein besonders erfolgreiches Gartenjahr“ erklärt Mario, der bereits seit der Gründung 2013 Mitglied im Stadtgarten ist. „Selten hatten wir so viele Neuzugänge und so viel tatkräftige Unterstützung. Das Interesse am gemeinschaftlichen Gärtnern ist eindeutig gestiegen.“

 

Gemeinschaftliches Gärtnern – Herausforderung und Potential

Die Vernetzung und Förderung von Gemeinschaftsgärten ist seit einiger Zeit das besondere Anliegen von Stefan Schartlmüller. Im gemeinsamen Gemüseanbau sieht er wertvolles und ausbaufähiges Potential für Vorarlberg. Schließlich deckt das Land den Eigenbedarf an Käse zu rund 160%, den Gemüsebedarf jedoch zu nur 8%. Und das, obwohl es durchaus viele Flächen gäbe, die zum Gemüseanbau genutzt werden könnten. „Die Allmende ist ein historischer und konfliktbeladener Begriff, der neu gedacht werden könnte. Wenn Städte und Gemeinden mehr Grundstücke zum gemeinschaftlichen Gemüseanbau freigeben, wie beispielsweise hier im Reichenfeld, dann ist das nicht nur ökologisch gesehen wertvoll, sondern auch sozial und kulturell relevant.“

Im Herbst wird die von ihm initiierte „Projektwerkstatt Gemüseallmende“ stattfinden, die der Frage nachgeht, wie förderliche Rahmenbedingungen für gemeinschaftliche Gemüseprojekte in Vorarlberg geschaffen werden können. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist auch, viel mehr Wertschätzung und Bewusststein für die regionale und ökologische Gemüseproduktion sowie die Arbeit dahinter zu wecken.

Marsela kennt die sozialen Herausforderungen und Potenziale eines Gemeinschaftsgartens aus eigener Erfahrung: „Über die letzten Jahre haben wir hier im Gemeinschaftsgarten auch straffällige Jugendliche betreut. Viele von ihnen waren von der Arbeit ganz angetan, haben mit Begeisterung Gemüse gepflanzt und geerntet und mit nach Hause genommen. Ebenso kommen immer wieder Kinder vom gegenüberliegenden Spielplatz zu uns – und helfen dann gerne eine Weile mit.“

 

Fotos: Nadine Jochum

 

Kochen, Kunst, Kultur

Eugen Fulterer vollendet zwischenzeitlich sein Menü. Dass ihm der Umgang mit Pfannen und Messern nicht fremd ist, erkennt man an der Lockerheit, mit der er nebenbei noch scherzend seine selbstangesetzte Mirabellenbowle an die Gäste reicht. Er ist in einem Wirtshaus aufgewachsen und hat dieses lange selbst geführt, gelebte Gastfreundschaft ist für ihn das Natürlichste der Welt. „Eine ehrwürdige Sache diese Gastfreundschaft, sie lässt einen überall heimkommen. Wenn sie im öffentlichen Raum passiert, machen wir uns diesen gemeinsam zu eigen und schließen auch von vornherein keinen aus. In Zeiten, in denen kleine Außenpools auf Jahre ausverkauft sind und der bestellte Gartenzaun erst nächstes Jahr geliefert werden kann, sollten wir Schritte setzen und alles versuchen, dass es uns in unserer eigenen privaten Blase nicht zu bequem wird, sondern in den neugierigen Austausch mit dem und den Unbekannten gehen.“

Eugen schwenkt frisches Marktgemüse, flambiert mit Gebranntem, lässt hausgemachten Mirabellenjus kurz einreduzieren und serviert alles mit einer cremigen Bramata. Vor vielen Jahren hat auch er an der Gründung eines Gemeinschaftsgartens mitgewirkt – und ist nach wie vor darin aktiv. Beruflich ist der gelernte Koch und Theaterwissenschaftler als Künstler und freischaffender Kulturarbeiter tätig und leitet zusammen mit Dietmar Nigsch den Walserherbst, veranstaltet das partizipative Literaturformat V-Lesung und hat sich in den letzten Jahren auch als Budiker des Wanderkiosk mit Stopps vom Bregenzerwald bis Wien einen Namen gemacht.

„An experimentellen Geschichten habe ich große Freude. Wenn die Grenzen zwischen Alltagskultur, Bühne, Inszenierung und Spontanität verschwimmen, können großartige Momente entstehen. Wichtig ist mir auch eine Art Rollenumkehr, weg vom gewöhnlichen Dienstleister, hin zu einer Art Regieführer. Das steigert die Wertschätzung, nicht zur beim Gegenüber sondern für die Alltagshandlung an sich. Und so gelangt das Ganze auf eine neue, höhere Ebene.“

 

Wir freuen uns auf noch mehr Eugen Fulterer, Querfeld und amoll!