„Bio allein war uns zu wenig“

 

Als er mit seinem Bruder Thomas das elterliche Weingut in Gols übernahm, war für Christian Weiss klar: Mit einer Betriebsphilosophie wie der ihren ist der biologische Weinbau eine logische Konsequenz. Vom 26. bis 28. April sind die vielfach ausgezeichneten Bio-Winzer aus dem Burgenland auf der Vinobile in Feldkirch zu Gast.

2010 ließen Christian und Thomas Weiss den Betrieb, den sie in sechster Generation führen, zertifizieren. Mit weitestgehend histamin-, fruktose- und sorbitfreien Weinen haben die beiden neue Blickwinkel auf die Weinproduktion entwickelt – und sich über den Bio-Weinbau hinaus einen Namen gemacht. Warum die ökologische Produktion für sie eine logische Konsequenz ist und was guter Bio-Weinbau braucht, hat uns Christian Weiss im Gespräch erzählt.

 

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Das Weingut Weiss ist seit 2010 ein zertifizierter Bio-Betrieb. Was hat Sie zum Umstieg auf den Bioweinbau bewogen?

Meine Eltern hatten schon lange mit dem Thema geliebäugelt, haben sich aber dann nicht darüber getraut. Mein Bruder und ich sind unserer Betriebsphilosophie gefolgt: „So arm wie wir auf diese Welt gekommen sind, so arm werden wir alle diese wieder verlassen. In der Zeit dazwischen sollten wir versuchen das Beste daraus zu machen, gemeinsam an Herausforderungen wachsen, zusammen lachen, zusammen weinen, und die Welt und die uns überlassenen Böden und Besitztümer nur ein klein wenig besser zurückzulassen als wie wir diese vorgefunden haben.“ Die biologische Wirtschaftsweise war da für uns eine logische Konsequenz.

 

Was bedeutet es für Sie, das Weingut Weiss bereits in sechster Generation zu führen?

Früher in meiner Schulzeit war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich ganz sicher kein Weinbauer werden möchte. Mit der Zeit habe ich dann die Liebe zu den Reben und zum Wein entdeckt. Mich erfüllt es mit Stolz, dass ich den von meinen Vätern übernommenen Betrieb weiterführen darf.

 

Was sind die Herausforderungen für einen Winzer, der auf Bio umsteigt?

Der große Unterschied ist, dass wir als Bio-Winzer auf systemische Pflanzenschutzmittel, Pestizide und Herbizide verzichten. Der Pflanzenschutz muss vorausschauend ausgebracht werden. Man muss auf das Wetter und die damit verbundenen Einflüsse auf die Reben eingehen. Ein Bio-Winzer muss auch mehr Zeit für die Weingartenarbeit einplanen, da manche Arbeitsschritte im Weingarten sorgfältiger ausgeführt werden sollten, um zum Beispiel eine bessere Belüftung der Trauben zu garantieren. Statt Kunstdünger verwenden wir Rindermist. Der Boden zwischen den Reihen wird zum Teil mit Stickstoffsammlern bepflanzt, damit diese dann dem Boden auf natürliche Weise wieder Humus und Nährstoffe zuführen können.

 

Warum eilt Bio-Weinen immer noch der Ruf voraus, mit edlen Tropfen aus konventionellem Anbau nicht mithalten zu können?

Diese Frage habe ich mir auch oft gestellt. Ich bin der Meinung, dass die ersten Bio-Winzer in den Anfängen sich voll auf die Weingärten konzentriert und dann im Anschluss zu wenig Augenmerk auf die Verarbeitung im Keller gelegt haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Weine dann auch merklich hinter den konventionellen Weinen gelegen sind. Das hat dann zu dem Ruf geführt, dass Bio-Weine nicht mit konventionell produzierten Weinen mithalten können. In der heutigen Zeit trifft das aber sicher nicht mehr zu. Wenn du wirklich guten Bio-Wein produzieren möchtest, dann musst du bei allen Arbeitsschritten dein Bestes geben. Dann wird’s auch gut werden.

 

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Auf Ihrer Website kann man lesen, dass Sie mit Ihrer Arbeit innovative Blickwinkel auf den Weinbau anstreben. Was meinen Sie damit?

Bio allein war uns zu wenig, daher haben wir uns auch auf die Herstellung von Weinen für Menschen mit Intoleranzen verschrieben. Nachdem bei mir eine Laktose-Intoleranz diagnostiziert wurde, brach meine „Nusskipferl-mit-Kaisermelange-Welt“ zusammen. Umso größer war meine Freude, als die erste Supermarktkette laktosefreie Lebensmittel ins Sortiment aufgenommen hat. Diese Freude wollte ich weitergeben. Nach ein paar Gesprächen mit Ärzten und Lebensmitteltechnikern habe ich begonnen auszuprobieren. Das Ziel war, Histamin im Wein erst gar nicht entstehen zu lassen. Im ersten Jahr hatten wir nur einen Wein mit geringem Histaminrestwert im Programm. Als Mitleidender habe ich unsere Bemühungen jedoch ständig vorangetrieben. Mittlerweile haben wir es geschafft, das komplette Sortiment auf „hysteriefree“ umzustellen. Nach unserem Wissensstand haben wir die geringsten Restwerte am Markt.

 

Klingt nach cleverem Marketing.

Natürlich ist unsere Spezialisierung auch im Verkauf hilfreich. In Zeiten der Allergenverordnung sollte auch beim Wein nicht alleine der Geschmack als Verkaufsargument hergenommen werden, sondern auch auf die Verträglichkeit eingegangen werden. Wir vinifizieren das komplette Sortiment auch ohne Zusatz von tierischen Schönungsmittel. Unsere Weine sind somit für den veganen Genuss geeignet – zertifiziert durch die Vegane Gesellschaft. Einige unserer Weine werden auf den Fruktose- bzw. Sorbitrestwert kontrolliert. Alle diese Spezialisierungen sind sicher neue Blickwinkel auf die Weinproduktion.

 

Ihr Merlot T.S. 2015 hat den ersten Platz in der Kategorie Rotwein beim Feldkircher Weinpreis gewonnen. Welche Bedeutung haben Auszeichnungen für Sie?

Auszeichnungen bestätigen uns in unserem Tun und sind auch eine Art von Belohnung für die Arbeit, die wir das ganze Jahr über leisten. Siege, wie wir ihn letztes Jahr mit unserem Merlot 2015 hatten, sind natürlich ganz besondere Momente. Den Kunden fällt die Kaufentscheidung bei prämierten Weinen auch leichter, keine Frage.

 

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Weine kann man heute online mit einem Klick bestellen. Auszeichnungen helfen den Kunden, eine gute Wahl zu treffen. Wozu braucht es dann noch Weinmessen wie die Vinobile?

Auszeichnungen im Online Shop sind natürlich auch für den Kunden eine Erleichterung bei der Weinauswahl. Auf Messen habe ich jedoch einen direkten Kontakt zu meinen Kunden und kann auch auf die Fragen und Wünsche meiner Kunden eingehen. Das sehe ich als großen Vorteil im Vergleich zu Verkäufen im online Shop.

 

Rot, Weiß, Rosé – was sind zurzeit Ihre Lieblingsweine?

Das hängt immer von der Stimmung und natürlich auch von der Jahreszeit ab. Bei den Weißweinen mag ich zurzeit den Chardonnay 2018 sehr gerne, im Sommer wird meine Präferenz bei Weißweinen aber sicher wieder zum leichten Welschriesling oder Grünen Veltliner wechseln. Unseren Faktotum rose 2018 mag ich gerne bei warmen Tagen auf der Terrasse eisgekühlt. Bei den Rotweinen ist mein momentaner Favorit meine Top Cuvée, die Fusion 2017.

 

Fotos: nadine-studeny.at

 


 

Vinobile – Die Vorarlberger Weinmesse
26. bis 28. April 2019

Freitag, 16 bis 21 Uhr
Samstag, 14 bis 20 Uhr
Sonntag, 12 bis 17 Uhr

Montforthaus Feldkirch

 

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