Veröffentlicht am: 6. August 2020

Offene Bühne

Wenn Straßenmusik zum musikalischen Höchstgenuss wird: Dann ist Sommer 2020.

 

Am Ende der Johannitergasse, direkt vor der Eingang zum Gymnasiumhof, ist eine schmucke Holzbühne aufgebaut. Daneben ein mobiler Kiosk, davor ein paar Bänke und Stühle. Hier haben bereits über 10 Bands aufgespielt, von der traditionellen Bläsergruppe über die Jazzcombo bis zum R&B-Duo. Was alle gemeinsam hatten? Sie waren eine Überraschung. Eine richtig gute.

 

Evgenii Baev auf der Offenen Bühne

 

Heute spielt hier Evgenii Baev, klassischer Gitarrist, der am Landeskonservatorium Feldkirch studiert hat. Heiß ist es. Nicht zu heiß jedoch, um stehen zu bleiben, sich auf einen der bereitgestellten Stühle zu setzen. Und es lohnt sich. Denn um die hochkomplexe und zugleich so spielerisch leicht wirkende Fingerartistik des Künstlers in ihrer ganzen Bandbreite aufnehmen zu können, muss man schon genau hinsehen. Das Hören passiert von alleine. Sanft plätschernd, dann wieder temperamentvoll sprudelnd, zwischendurch leise seufzend und ganz oft in entspannter Sanftmut schwebend, erfüllen die vielseitigen Klänge den Platz.

 

Zwischen Schatten und Licht springen Kinder hin und her und bestaunen abwechselnd die flinken Hände des Gitarristen und die Passanten rundherum. Beine wippen im Takt, ein Mädchen trommelt auf die Sitzbank, ein Junge hüpft im Rhythmus auf und ab. Draußen ist Musik noch schöner. Und in den rauschenden Baumwipfeln des Ahorns nebenan, da jubilieren die Vögel mit dem Musiker um die Wette. Als Evgenii Baev „Hallelujah“ auf Russisch singt, lauschen rund 20 Zuhörende gebannt seinen Worten, Jugendliche im Fußballtrikot direkt neben älteren Herren im Sommersakko.

 


Fotos: Nadine Jochum

 

Ein Programm, so bunt wie der Sommer

 

„Das ist das Besondere an der Offenen Bühne: Das Publikum ist so vielfältig wie die ausgewählte Musik.“ (Ina Küfner, Projekleiterin)

 

Auf der Offenen Bühne spielen Musiker, die stellvertretend für ein ganzes Genre sind. So kann man hier auf eine traditionelle Bläsergruppe genauso treffen, wie auf ein stimmgewaltiges Frauenduo aus dem Bregenzerwald – samt Ukulele, Geige, Footdrum, Gitarre und Mundharmonika. Hier stößt man auf Prinz Grizzley, auf klassischen Jazz oder auf eine Punkband, je nach Tag und Wetter. Der genaue Zeitpunkt der Konzerte bleibt nämlich bis zum letzten Moment eine Überraschung. Sicher ist nur, dass eingeladen ist, wer die Musik entdeckt. So kommt es, dass mitten im klassischen Klavierkonzert sogar die Dauergäste der Interspar-Treppe ihre raumfüllenden Gespräche unterbrechen und zuhören. Und am Ende laut klatschen. Das ist Stadtbelebung. Wenn Raum und Zeit stimmen – und die Kunst im Mittelpunkt eines völlig zufälligen Publikums steht.

 

Noch was ist übrigens sicher. Wer Durst bekommt, hat es zur Erfrischung nicht weit. Im mobilen Kiosk nebenan wird Sirup von Querfeld ausgeschenkt. Und wer den noch nicht kennt, der kennt ihn in Kürze. Das nächste Konzert der Offenen Bühne kommt nämlich schon bald.