Veröffentlicht am: 7. August 2020

Wandernde Stühle

„Die Seilschaft im öffentlichen Raum“, eine Kooperation der Designer Teresa Egger und Weizi mit dem Architekturduo Auf´strich und der POTENTIALe, bringt neue Stühle in die Stadt. Diese warten nun auf ihren Einsatz – an den verschiedensten Orten des öffentlichen Raums.

 Ein heißer Tag in der Neustadt. Wer sich in der Mittagszeit hier einfindet, sucht den Schatten der kühlen Lauben oder versammelt sich unter den Sonnenschirmen der gut besuchten Gasthäuser und Cafés. Von hier hat man einen guten Blick über die Fußgängerzone – eine lang ersehnte Errungenschaft des Viertels. Und plötzlich geschieht dort etwas Unerwartetes. Stapelweise werden flache Holzelemente über den sonnenbeschienenen Platz getragen. Einfach nur Bretter sind es nicht. Besonders schwer können die Teile auch nicht sein, denn ihre Träger gehen leichtfüßig und scheinen Spaß an ihrem Tun zu haben. Mehrere Male gehen sie hin und her – und kaum sind sie fertig, bleiben auch schon die ersten Neugierigen rund um ihre Stapel stehen.

Teresa Egger und Matthias Kohlweis erklären ihr Projekt. Engagiert wurden sie von der POTENTIALe, inspiriert von wartenden Menschenschlangen vor Geschäften. Was in der Zeit des Corona-Lockdowns auffällig wurde, war eine Erkenntnis von zeitloser Gültigkeit: Stühle im Freien und zur freien Verwendung wären sinnvoll und wünschenswert.

Fotos: Angela Lamprecht

Melone und Musik. Architektur wird greifbar.

„Die Seilschaft“ – eine limitierte Edition an Stühlen, welche die beiden Designer nun mit vorbeigehenden Passanten zusammenbauen – wurde vergangenen Herbst im Designlabor der POTENTIALe ausgestellt. Die beiden haben seit ihrem Studium in St. Pölten mehrere Projekte zusammen realisiert. Für „Die Seilschaft im öffentlichen Raum“ kooperieren sie mit dem Architekturduo Auf´strich. Franziska Möhrle, eine der Gründerinnenh, hat selbstgemachten Sirup von Querfeld mitgebracht. Wassermelone und Musik gibt´s auch. Und schon bald eine ganze Ansammlung von Menschen.

Die erste mutige Teilnehmerin ist die Besitzerin des ältesten und kultigsten Lokals in Feldkirch. Ihre Gäste von nebenan schauen zu und reden mit, die eine oder andere Herausforderung bietet so eine Stuhlherstellung dann doch. Völlig ohne Schrauben, Nägel oder sonstige bleibende Elemente werden die stabilen und formschönen Hocker in knapp zehn Minuten zusammengeknotet. Tatsächlich geknotet, verbunden werden die Einzelteile nämlich mit schlichten Seilen. Anschließend bieten sie eine bequeme Sitzfläche für Groß und Klein – und der erste, der auf ihnen Platz nehmen darf, ist Dackel Alvaro vom Café Hecht. 

Stühle und gutes Essen passen zusammen.

Am nächsten Tag legt die Mobile Gastfreundschaft ihren dritten Halt in der Neustadt ein, und Eugen Fulterer bietet seinen Gästen nicht nur leckerste Speisen, sondern auch handgefertigte Lederschuhe. Wer keinen Sitzplatz bekommt, der holt sich einen – bei der Seilschaft im öffentlichen Raum. Die Stühle gibt es weiterhin – auszuleihen in den Leihstellen Café Hecht, Levendel und Zeughaus. Für die Mittagspause, für das Wandern mit der Sonne.

 

www.teresaegger.com

www.weizi.design.com

www.aufstrich.jimdosite.com