Veröffentlicht am: 10. Oktober 2019

Zwischen Geduld und Geistesgegenwart

Montforter Zwischentöne laden ein zu warten – vom 7. November bis 10. Dezember

 

Ausschau halten, aufmerksam sein, den Horizont beobachten: Betrachtet man die etymologische Wurzel jenes Wortes, das sich auf „die Warte“ bezieht, erkennt man: Zu warten bedeutet im ursprünglichen Sinn nicht, die Zeit totzuschlagen. Im Gegenteil: Warten – das heißt den aufmerksamen Blick in die Ferne richten und, angelehnt an die Bedeutung des Begriffs im Sinne der „Wartung“, die Wahrnehmung dessen, was das vor uns liegende braucht.

 

Mit diesen Gedanken vor Augen widmen die Montforter Zwischentöne ihren diesjährigen Herbstschwerpunkt dem Thema. Vom 7. November bis 10. Dezember ergründet das Festival für Zeit-Räume zwischen Dialog und Musik die verschiedenen Aspekte des Wartens und mögliche Bedeutungen für die Gegenwart. Dabei gehen die Montforter Zwischentöne Fragen nach wie: Wann ist der richtige Moment, zu entscheiden? Kann das Warten uns Geduld lehren? Und kann es uns auch lehren, Bestehendes wertzuschätzen?

 

Pop-up-Kino mitten in der Stadt

Den Auftakt des Zwischentöne-Programms bildet der „WARTERAUM“ – eine Videoinstallation, die von 7. bis 17 November täglich von 15 bis 21 Uhr im Palais Liechtenstein bei freiem Eintritt besucht werden kann. Gezeigt werden elf Kurzfilme von Vorarlberger KünstlerInnen und Kreativen zum Thema.

 

Zu sehen sind Videoarbeiten von Gottfried Bechtold, Rose Breuss, Marbod Fritsch, Claudia Larcher, Richard Jochum, Rafet Jonuzi, Elisabeth Kopf, Angelo Roventa, Stoph Sauter, Ensemble Tanzufer und Christian Vuissa. Architektur und Szenografie der Ausstellung wurden von Solveig Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr vom »Studio SAAL« entwickelt.

 

Eröffnet wird der WARTERAUM am Donnerstag, den 7. November, um 18 Uhr beim „Gruß aus der Küche“, bei dem die künstlerischen Leiter Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde mit Kostproben, Interviews und einem lebendigen Blick hinter die Kulissen des aktuellen Zwischentöne-Programms führen.

 

Warten auf den Einsatz beim Trio für sechs

Die Entwicklung neuer performativer Formate stand von Beginn an im Fokus der Montforter Zwischentöne. Einen Raum für Versuch, Irrtum und die Gestaltung künstlerischer Prototypen anzubieten, zählt zum Selbstverständnis des Festivals. »Tobu – Trio für sechs« ist ein neues Format in genau diesem Geist. Das Konzert für drei Spielende und drei Wartende wird am Donnerstag, den 21. November um 19 Uhr uraufgeführt.

 

So wie bei der traditionellen japanischen Theaterform »Noh« hinter dem Musiker eine assistierende zweite Besetzung sitzt (oft Vater und Sohn, manchmal Lehrer und Nachfolger) entwickelten die künstlerischen Leiter der Montforter Zwischentöne ein Konzertformat für ein klassisches Jazztrio, bei dem Klavier, Schlagzeug und Bass doppelt besetzt sind. Auf der Bühne wechseln sich ab: Schlagzeug-Legende Pierre Favre (82) und sein ehemaliger Schüler Chris Jaeger; der österreichische Kontrabass-Virtuose Georg Breinschmid und sein Pendant aus der Schweiz Heiri Känzig; sowie David Helbock und sein Mentor Peter Madsen am Klavier.

 

Die Spielregel lautet für jeden der drei jeweils Musizierenden, im Rahmen des improvisierten Konzertes das Instrument während des Stücks mit dem „Doppelgänger“ zu tauschen. Wann genau und wie oft im Laufe eines Werkes an den Partner übergeben wird, entscheidet der Musiker selbst. Die Wartenden wissen nie, wann sie übernehmen werden.

 

Orgelduell oder Eine selten gewordene Kunst

Warten auf den Sieger heißt es beim Orgelduell am 22. und 23. November, bei dem ein Experte den „Kontrahenten“ Aufgaben stellt, die die ganze Originalität, Ausdruckskraft und Virtuosität der beiden Musiker erlebbar machen. Eine Musikjournalistin begleitet, befragt und erläutert. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt.

 

Das Hinspiel findet in der Kirche St. Martin in Dornbirn statt, das Rückspiel in der Domkirche St. Nikolaus in Feldkirch. Die beiden Abende werden schon dadurch spannend, dass sie in zwei völlig verschiedene Klangwelten führen: jene der Behmann-Orgel mit ihrem symphonischen, »fetten« Orgelsound und jene der Metzler-Orgel, die sich mit ihrer Transparenz, Klarheit und Struktur an der Barockzeit orientiert.

 

Beherrschten Organisten früherer Zeiten die Improvisation noch „aus dem Effeff“, ist diese heute eine selten gewordene Kunst. Umso erfreulicher, dass die Montforter Zwischentöne für die Königsdisziplin an der Orgel zwei Musiker einladen konnte, die sie in außergewöhnlicher Art und Weise beherrschen. László Fassang zählt zu den vielseitigsten Orgelvirtuosen seiner Generation. Martin Sturm gewann als Interpret und Improvisator zahlreiche internationale Wettbewerbe.

 

Das Orgelduell ist eine Kooperation mit dem »Internationalen Festival für Symphonische Orgelkunst Dornbirn« und stellt die erste städteübergreifende Zusammenarbeit der Montforter Zwischentöne dar.

 

Ein Labyrinth zur Mitte des eigenen Lebens

„Wozu noch warten?“ ist ein vorweihnachtlicher Pilgerweg, der in Form einer Schnitzeljagd zu besonderen Orten in der Altstadt führt. Auf dem Weg begegnen die Pilgernden selten gestellten Fragen: nach offenen Wünschen, noch nicht gelebten Fähigkeiten, verschütteten Berufungen und konkreten Veränderungsplänen.

 

Wer den etwa zweistündigen Rundgang absolvieren möchte, begibt sich zu Station 1 ins Hotel Gutwinski und fragt an der Rezeption, ob eine Nachricht für einen hinterlegt wurde. Es ist empfehlenswert, den Rundweg alleine zu gehen. Inszeniert wurden die Stationen von Caro Stark. Die in Bregenz geborene Künstlerin hat mehrere Wettbewerbe im Bereich Objekt-/Produktgestaltung gewonnen und leitet seit 2015 „Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung“.

 

Der Pilgerweg durch die Feldkircher Innenstadt steht Interessierten von Freitag, 29. November bis Sonntag, 1. Dezember sowie von Freitag, 6. Dezember bis Sonntag, 8. Dezember täglich von 10 bis 19 Uhr offen.

 

Adventkonzert in Erwartung des Wunders

„Immer warte ich auf Wunder …“ heißt es am 10. Dezember beim festlichen Adventkonzert im Großen Saal des Montforthauses mit Martina Gedeck, Dorothee Mields und dem Concerto Köln.

 

Martina Gedeck, die zu Deutschlands profiliertesten Schauspielerinnen zählt, liest Texte von Angelus Silesius, Rainer Marie Rilke, Rose Ausländer, Paul Celan, Peter Handke und anderen mehr. Die Sopranistin Dorothee Mields singt Lieder zum Advent sowie Arien von Johann Sebastian Bach. Und das Concerto Köln, eines der führenden Ensembles für historische Aufführungspraxis in Europa, musiziert unter Konzertmeisterin Mayumi Hirasaki vorweihnachtliche Stücke über die Erwartung.

 

www.montforter-zwischentoene.at